Nahaufnahme Brüssel

Notizen zur europäischen Hauptstadt

Pour la route…

Fleurs (presque) fraîches

Wenn ich schon – nur unwesentlich verspätet – auf den traditionell jedes zweite Jahr auf dem Grand Place aufgebauten Blumenteppich hinweise, der dieses Jahr (ausgerechnet) französische Motive aus dem 18. Jahrhundert dargestellt hat, kann ich mir nicht verkneifen, einen für mich hiermit verbundenen Gedanken zu erwähnen:

Schlagt mich dafür. Ich finde aber, dass sich in der Tradition des Blumenteppichs eine gewisse biedere, bodenständige und vielleicht leicht provinzielle Mentalität manifestiert, die ich dem flämischen Teil Belgiens zurechne. Diese Mentalität zeigt sich ebenfalls in den deftig-rustikalen Speisen der belgischen Küche, z.B. im Stoemp oder der Carbonade Flamande, wobei das alles natürlich wunderbare Dinge sind! Sie zeigt sich darin, dass – wie schon erlebt – hinter Demonstrationszügen gleich Herscharen von Straßenfegern den nicht vorhandenen Dreck entsorgen. Ich finde, dass man den flämischen Geist sogar bei Monumentalbauten wie dem Atomium oder dem Grand Place spüren kann. Ist der Grote Markt nicht eigentlich nichts anderes als eine vergrößerte Ausgabe der Stadtzentren anderer flämischer Städte? Und die sind sicherlich prachtvoll, aber eigentlich auch wieder äußerst beschaulich. Und dann der Teppich eben…

Würde Brüssel nur aus diesem Teil bestehen, ich glaube, diese Stadt hat keinen solchen Reiz auf mich und viele Andere. In Kombination mit dem Wallonischen, dem Chaos und Dreck, der innerstädtischen Anarchie, den Einflüssen französischer Küche und Kultur, empfinde ich Brüssel allerdings als äußerst interessante und lebenswerte Stadt.

Die Mischung macht’s eben. Und das gilt auch für diesen Blumenteppich. Wer mehr darüber erfahren möchte, ist hier sicher bestens bedient. Die Seite listet nicht nur alle Teppichmuster seit 1976 auf, sie bietet auch einiges zu Geschichte und Herstellung.

Wie man was über Bier lernt…

…und dabei mal wieder feststellt, dass man sich besser in Brüssel aufhalten sollte, anstatt den Herbst im kalten, grauen Deutschland zu verbringen:

Vorletztes Wochenende hätte man nämlich die Gelegenheit gehabt, auf dem Festival Bruxellensis „Biere mit Charakter“ zu trinken. (Via bxl.blog) Das Festival leitet seinen Namen vom Hefepilz Brettanomyces bruxellensis ab, ein Pilz, der früher in der Bierbraukunst eine tragende Rolle gespielt hat und heute noch für manches belgisches Bier von nicht unerheblicher Bedeutung ist.

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Bruxelles tu nous crèves!

Das können nur französische Fischer behaupten, ohne dabei rot zu werden: Brüssel, du machst uns kaputt! Und getreu nach dem Motto, macht kaputt, was Euch kaputt macht, gibt es im Europaviertel gleich mal eine kleine Schlacht zwischen der Politie und den über die hohen Dieselkosten erbosten Fischern; zerborstene Fensterscheiben, brennende Barrikaden und Steinwürfe auf Polizisten inklusive. Wobei ich nicht glaube, dass die Ausmaße der Randale dann tatsächlich so groß waren, wie uns die deutschen Medien glauben machen wollen. Beim bxl.blog ist noch nichts, und auch sonst bin ich bei Brüssel nahestehenden Internetquellen nicht wirklich fündig geworden…

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