Je n’avais pas de cadeau
pour t’offrir à Noël,
j’en voulais un très beau,
j’ai pensé à Bruxelles.
Bénabar, 2005
“Wer hat es erfunden? Die Schweizer!” Die Schweizer sind Weltmeister im Schokoladewegdrücken. Pro Kopf haben sie im Jahr 2006 knapp 11,9 kg davon gegessen. Gleich an dritter Stelle nach uns Deutschen kommen aber die Belgier. Mit 11,0 kg pro Kopf. Eine satte Leistung. Für mich ist Brüssel dann auch nicht nur die Hauptstadt von allem Möglichen, sondern auch die Hauptstadt der Pralinen und die Hauptstadt der Schokolade.
Das nur mal als Ergänzung zu meiner Liste vorab.

Ich hatte das große Glück, über Ostern in Brüssel gewesen zu sein. Nicht nur schien die Sonne damals ungelogen und ununterbrochen, was wohl eher die Ausnahme zur Regel ist, Ostern ist zudem auch ein sehr schokolastiges Fest. Und so hatte ich die Gelegenheit, tiefere Einblicke in die Schokoladenbegeisterung der Belgier gewinnen zu können.
Bei Leonidas, dem erschwinglicheren der belgischen Chocolatiers standen die Kunden an den Tagen vor dem Osterfest Schlange, die Geschäfte der hiesigen Schokoketten konnte man schon von Weitem aufgrund der Menschenmasse erkennen, die sich mehr oder weniger geduldig vor den Läden die Beine in den Bauch standen. Ich lernte, dass das Auswählen von Schokoladen und Pralinen ein sehr ernstes und ein sehr langwieriges Geschäft ist. Selten habe ich ein Volk mit größerer Hingabe und Sachkenntnis über geeignete Pralinenmischungen, Schokotypen und Geschmacksrichtungen diskutieren sehen. Und selten habe ich solche Schokoladenberge aus den Geschäften wanken sehen. Krokanteier, Schokohasen, bonbonnières voll mit unterschiedlichen Pralinen. Die Belgier haben anscheinend keine Kosten gescheut. Man sollte annehmen, das Königreich sei nach Ostern von jeglichen Gelüsten befreit. Ich vermute aber eher, dass vor Weihnachten die Schlangen noch größer sind.
Nun habe ich auch das Glück gehabt, außerhalb der Feiertage in der Hauptstadt gelebt zu haben. An Schokolade kam ich dennoch nicht vorbei. Neben Neuhaus und Leonidas bieten zahlreiche weitere Meister ihre Waren an. Mit oder ohne Tin Tin, mit oder ohne Touristenaufschlag. Man entkommt ihnen nicht. Dennoch sind die folgenden zwei Orte wohl eher Geheimtipps für Liebhaber der süßen Versuchung. Man muss Schokolade ja nicht immer nur in fester Form zu sich nehmen. Ganz im Gegenteil.
Am Besten hat sie mir eigentlich in den St. Hubertus Galerien in einem der vielen Cafés dort geschmeckt (der genaue Name ist mir gerade entfallen, aber ihr könnt ja alle mal durchprobieren, dann findet ihr es sicher). Dort gibt es chocolat chaud – heiße Schokolade zum Trinken. An sich ja nichts Ungewöhnliches. Aber immerhin schmeckt nicht einmal die Schokolade nach dem Skifahren in der Schweiz so wie diese. Man bekommt eine Schüssel mit kleinen runden Schokoladedrops und eine Tasse heiße Milch. Der Rest ist einem selbst überlassen.
Auch eine völlig ungewohnte Art Schokolade zu essen, bietet das Le Pain Quotidien, eine Café- und Bäckereikette in Belgien und mittlerweile in zahlreichen weiteren Ländern vertreten. Die erste Filiale gab es aber in Brüssel. Und daher darf man auch ganz ohne Scheu dort sein Frühstück mit verschiedenen Schokoladenaufstrichen – von weißer Schokolade bis ganz dunkel – zu sich nehmen. Am Schönsten ist übrigens die Filiale in der Rue des Sablons. Von Nutella weit entfernt und das Brot ist auch nicht schlecht.
Der perfekte Tagesablauf in Brüssel also: Frühstücken im Pain Quotidien, Kaffee trinken in der Galerie, danach Schokolade kaufen in einer der vielen Läden und wer anschließend noch nicht genug hat, kann ja mitten ins Touristenviertel zum (gerade entdeckten und hiermit nicht empfohlenen) Planete Chocolat weiterziehen. Bon appétit!