Nahaufnahme Brüssel

Notizen zur europäischen Hauptstadt

Wie man was über Bier lernt…

…und dabei mal wieder feststellt, dass man sich besser in Brüssel aufhalten sollte, anstatt den Herbst im kalten, grauen Deutschland zu verbringen:

Vorletztes Wochenende hätte man nämlich die Gelegenheit gehabt, auf dem Festival Bruxellensis „Biere mit Charakter“ zu trinken. (Via bxl.blog) Das Festival leitet seinen Namen vom Hefepilz Brettanomyces bruxellensis ab, ein Pilz, der früher in der Bierbraukunst eine tragende Rolle gespielt hat und heute noch für manches belgisches Bier von nicht unerheblicher Bedeutung ist.

Der Hefepilz mit dem schönen Namen findet sich zum Beispiel im Wasser der Senne, des kleinen Flusses also, der am unteren Rand des Stadtplans durch Brüssel fließt und bis 2007 als einer der stärksten verschmutzten Flüsse Europas bekannt war. Der Bruxellensis-Pilz schwimmt aber nicht nur in belgischen Dreckbrühen, sondern auch in äußerst delikaten belgischen Bieren.

Moderne Bierbrauprozesse erfolgen heutzutage unter Zugabe von Reinzuchtbierhefen. Dies hat den Vorteil, dass der Brauvorgang selbst stärker kontrollierbar ist. Bei der früheren Bierproduktion war man noch auf die sogenannte Spontangärung angewiesen, bei der Hefepilze aus der Umgebungsluft für die Gärung zum alkoholhaltigen Bier verantwortlich sind. Hierdurch entstehen Biere mit einzigartigem Geschmack, „Biere mit Charakter“ eben. Der Vorgang birgt aber immer die Gefahr, dass es nichts ist mit dem Endprodukt… und man das dann besser nicht trinkt.

Die bekanntesten belgischen Biere, allen voran Kriek und Geuze, aber natürlich auch deren Vorstufe, das Lambic-Bier, werden mit dieser alten, natürlichen und im Bierbereich nur noch äußerst selten verwendeten Methode hergestellt. Das erklärt, warum diese Biersorten so einzigartig sind. Und das erklärt, warum ich im nächsten September unbedingt in Brüssel sein will. Da gibt es nämlich die fünfte Auflage des Festival Bruxellensis.

Jetzt frage ich mich nur noch, ob die Brauereien wirklich Wasser aus der Senne zum Bierbrauen verwenden. Dann sollte man sich das mit dem Trinken vielleicht doch nochmal überlegen… ;-)

Bisher keine Kommentare »

Dein Beitrag

HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <pre> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>