Nahaufnahme Brüssel

Notizen zur europäischen Hauptstadt

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Brügge sehen… und Bier trinken!

Gut. Es ist nicht Brüssel, es ist Brügge. Aber das, was Colin Farrell, Jordan Prentice und die talentierte Clémence Poésy in dem heute angelaufenen Pulp Fiction-Verschnitt „Brügge sehen… und sterben?“ hier auf dem Tisch stehen haben, ist dem Glas nach eindeutig belgisches Bier.

Erinnert mich an zahlreiche Tests so klangvoller Bier- oder „Bier“sorten wie Kriek, Mort Subite oder – mein Favorit – das alkoholstarke Chimay bleue in ebenso klangvollen wie bekannten Brasserien, wie das „Delirium Café„, in dem es jeden Donnerstag Abend Livemusik und ansonsten ca. 2.000 Biersorten aus aller Welt zu trinken gibt, oder im „A La Mort Subite„, das nicht nur mit seinem eigenen Bier sondern auch einer Atmosphäre, Bedienung und Einrichtung aufwarten kann, die très bruxelloise ist; oder an sonst jedem anderen Ort, wo es etwas zu trinken gab.

Belgisches Bier ist wirklich ein Kapitel für sich. An die 1.000 Biersorten soll es in dem kleinen Staat geben. Mein Vorsatz, sie alle einmal durchzuprobieren, scheiterte aber bereits daran, dass mir das Kriek und die vielen weiteren mit Frucht gebrauten oder versetzten Biere schlicht zu süß waren und die Trapistenbiere wie das Chimay einfach zu gut schmeckten.

Brügge ist von Brüssel aus übrigens einen Abstecher wert, wenn mir auch Gent deutlich besser gefallen hat. Und der Film lohnt sich nur wegen den zwei Damen, die mitspielen: der Stadt Brügge und Mme Poésy!

A ne pas rater: Rendezvous in Laken

Man kann mit der Metro zum königlichen Schloss in Laken fahren. Dann sollte man aber in Bockstael aussteigen und den Bus nehmen. Was man nicht tun sollte, ist, nachts und viel zu spät und ohne einen Plan den Weg von der Metro zum Schloss zu Fuß zu laufen. Es könnte sein, dass man zu wenige Leute trifft, um nach dem Weg zu fragen. Man sollte auch nicht am Eingang des Schlosses vorbeilaufen und sich dann wundern, dass auf der Rückseite des königlichen Parks kein Eingang ist. (Auch wenn sich dort ein wunderschöner chinesischer und ein ebensolcher japanischer Turm befinden; vor allem während der Nacht, dann sind sie nämlich toll beleuchtet!) Man sollte sowieso nicht versuchen, außerhalb dreier ganz bestimmter Wochen in das Schloss in Laken zu kommen und ohne Zeit sollte man es lieber gleich bleiben lassen.

Fin bref: Wenn man mal ganz offiziell aufs königliche Gelände im Brüsseler Stadtteil Laken gelangen will, bietet sich eigentlich nur ein bestimmter Zeitraum in diesem Jahr an: vom 19. April bis zum 12. Mai, Montag geschlossen. Für einen untertanenfreundlichen Beitrag von 2,50 € öffnet die Königsfamilie nämlich zu dieser Zeit – und nur dann – aufgrund einer jahrhundertealten Tradition die Pforten ihrer sensationellen königlichen Gewächshäuser. Und die lohnen sich wirklich. Vor allem am Abend, wenn es draußen schon dunkel ist und die beleuchteten Kuppeln und Gänge in einem grünlichen Licht wie außerirdische Raumschiffe leuchten. Je später man kommt, desto eher hat man vielleicht auch die Chance, sich ungestört mit entsprechender Begleitung auf einer der Bänke in romantischen Rosen- oder Palmenhainen niederzulassen.

Man sollte, wie gesagt, nur nicht am Eingang vorbeilaufen und genügend Zeit für die Runde mitbringen. Und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen…

Underground haushoch

Bemalte Häuserwände sind für Brüssel ja nichts besonderes. Es gehört fast schon zum guten Ton, als Tourist eine Tour vorbei an den ganzen Comicmotiven aus Tin Tin, Gaston und Konsorten zu machen. Doch nun kommt der maître der Hauswandkunst:

JR a 25 ans et possède la plus grande galerie d’art au monde.
JR über sich selbst, jr-art.net

Die Arbeiten des französischen Fotografen und artiviste JR sind groß, sehr groß. Sie zieren Häuser in Paris, den Sicherheitswall zwischen Israel und Palästina… und ab heute Nacht anlässlich des Weltfrauentages morgen auch einige Brüsseler Mauern. Für einen Monat sind die hausgroßen Portraits von acht afrikanischen Frauen dann an diesen Orten zu sehen.

Es lohnt sich, begleitend die Lebensgeschichten der Frauen nachzulesen. Ihnen allen ist gemein, dass sie schwierige und durchaus bedrohliche Situationen mit einer bewundernswerten Kraft gemeistert haben. Die Ausstellung im Freien unter dem Titel „Woman are Heroes!“ widmet sich somit dem manchmal schockierenden Schicksal afrikanischer Frauen und würdigt die Kraft, die sich dem Schicksal entgegenstellt.

Gleichzeitig ist sie wieder ein Beispiel für die Vielschichtigkeit Brüssels, in der auch underground seinen Platz hat. Findet sich ja auch sonst sehr viel in diese Richtung…

[via den Kollegen vom bxl.blog]